Abwechslung und Freude im Alltag

Tobias Volz - Geschäftsinhaber

„Ich war immer schon ein kleiner Revolutionär“

Geschäftsführer Tobias Volz über seinen Weg in die Pflege – und warum dieser Beruf für ihn bis heute spannend ist. Sein Motto: „Ich unterstütze die Menschen, um in ihrem geliebten Umfeld bleiben können.“

??? Tobias, du hast nach der Schule das Handwerk des Kochs gelernt. Heute bist Du ausgebildeter Pflegefachmann und leitest ein Unternehmen. Wie kam es zu diesem Wechsel?

Tobias Volz (TV): Ich hatte schon früh den innigen Wunsch, mich mit Ergotherapie zu beschäftigen. Schon als Koch interessierte mich das Thema. Damals war der Zugang zu dieser Ausbildung steinig, weil man das privat bezahlen musste. Durch meinen Zivildienst im Wohnstift Augustinum in Überlingen stieß ich auf die Frage: Wie wird man in unserer Gesellschaft eigentlich alt? Und wie würdevoll ist es? Die Station, auf der ich arbeitete, empfand ich als würdelos. Ich war immer schon ein kleiner Revolutionär. Später wechselte ich in eine interessante Einrichtung ins Wohnstift Thambach in Oberbayern, das ist eine beschützende Einrichtung. Dort erlebte ich völlig andere Ansätze, die mir einleuchteten: Viel Freiheit, viel Zuhause, viel Würde für die alten Menschen. Es war zwar eine geschlossene Einrichtung, doch gewann ich den Eindruck, dass es den Leuten gutgeht. Dort wurde mir angeboten, eine Ausbildung zu machen. Das war die Herausforderung. Ich durfte viel in der Beschäftigungstherapie ausprobieren, von morgens bis abends, und das war wunderbar.

??? Heute bist Du selbständig. Autos mit Deinem Namen auf den Türen fahren den Bodanrück rauf und runter. Wie kam das?

TV: Mein Bruder gab den Ausschlag. Bei einem Abendessen hat er mich überredet, mich selbständig zu machen. Er sagte damals: ‚Du hast so viele Ideen, Du musst etwas Eigenes auf die Beine stellen.‘. Es gab viele Argumente gegen eine eigene Firma. Als ich anfing, war ich der Mitarbeiter mit der geringsten Berufserfahrung – noch während der Ausbildung stellte ich mich auf eigene Füße. Das war im Mai 1995.

??? Du hast dein Unternehmen am Bodensee gegründet. Warum dort?

TV: Ich nahm damals die Landkarte zur Hand und überlegte mir: Kiel, Bonn oder Bodensee? Als eifriger Skifahrer lag der See nahe. Die Nähe zu den Alpen gab den Ausschlag.

??? Warum dann nicht Konstanz?

TV: Ursprünglich wollte ich dorthin ziehen. Doch war der Wohnungsmarkt schon damals angespannt. Ich hatte keinen Pfennig im Sack, ich war ein armer Koch. Allensbach stellte sich dann als Glücksfall heraus.

??? Über die Arbeit mit alten Menschen hast Du dir viele Gedanken gemacht.

TV: In Deutschland sind wir stark geprägt von Regeln und Dienstplänen, von Hausordnungen. So ist es auch im Altenheim geregelt. Doch das haben alte Menschen nicht verdient. Sie haben etwas geleistet und sollen sich jetzt plötzlich an Vorschriften halten, die andere aufgestellt haben. Bettgehzeiten, Mahlzeiten, organisierte Freizeiten. Das widerspricht dem Freiheitsgedanken. Wenn sie weiterhin zuhause leben dürfen, können sie mehr mitgestalten. Deshalb heißt mein Betrieb auch Aktive Lebensgestaltung mit Senioren. Hier wird die Selbständigkeit betont, um die es mir geht. Ich arbeite nicht für Senioren, sondern arbeite mit Senioren.

??? Wo liegt der Unterschied?

TV: Wir gehen mit Menschen zum Einkaufen, wir helfen im Haushalt oder beim Putzen. Dafür können sie in ihren vier Wänden wohnen bleiben. Sie bleiben Herr und Chefin im Haus und haben das Team Volz in der Hinterhand. Ich verstehe jeden, der im gewohnten zuhause bleiben will. Das ist auch ein Genuss und eine Freude. Wir unterstützen die Menschen, um in ihrem geliebten Umfeld bleiben können.

??? Immer wieder wird gefordert, dass alte Menschen ihren Führerschein abgeben. Wäre das richtig?

TV: Die motorischen Fähigkeiten sowie das Reaktionsvermögen nehmen ab, gar keine Frage. Man muss aber sehen, dass Autofahren ein Stück an Freiheit bedeutet. Warum sollen Senioren ihre Freiheit beim Landratsamt abgeben?

??? Du bist Chef. Bist du noch in der Pflege aktiv?

TV: Ja, ich nehme eine Vorbildfunktion ein. Ich bin der Feuerlöscher. Wenn jemand ausfällt, dann springen meine Frau Amrei und ich ein. Ich begegne gerne anderen Menschen.

??? Du bist auch Ausbilder und sprichst viele junge Menschen an, in die Pflege zu gehen. Wird der Beruf unterschätzt?

TV: In der Pflege spielen die weichen Faktoren – also das Menschliche – eine große Rolle. Es ist sehr schwierig, diese Faktoren nach außen hin positiv darzustellen. Weicher Faktor heißt: Der Mitarbeiter hilft, dass wir das soziale Umfeld eines Kunden angenehm gestalten. Wir produzieren nichts Sichtbares. Wir bieten eine unsichtbare Dienstleistung an.

??? Eine anspruchsvolle Tätigkeit …

TV: ... Wir sind auch Seelsorger. Wir hören zu. Wer in ein Haus geht, bekommt doch viel mit. Da ist Sensibilität nötig. Wir versorgen nicht nur, sondern wir fördern das gesamte Wohlbefinden eines Menschen. Das ist ein hohes Ziel, aber es ist unser Ziel.

??? Deine Niederlassung hast du neu gebaut, als du bereits 52 Jahre alt warst. Das ist relativ spät. Wie kam das?

TV: Das war eine praktische Entscheidung. Die Miete für meine alten Geschäftsräume im Allensbacher Gewerbegebiet war sehr hoch. Das Grundstück, auf dem der Neubau heute steht, wurde mir über Dritte angeboten. Ich rechnete das hoch und fand heraus, dass ein eigenes Gebäude langfristig günstiger sein wird. Zudem möchten wir langfristig die Arbeitsplätze am Ort sichern und ein fester Bestandteil der Gemeinde Allensbach bleiben.

??? Weshalb nicht früher?

TV: Ich hatte schlicht kein Geld dazu. Meine Pläne gingen nie Richtung Eigentum.

??? Du bist Sozialdemokrat. Wie kamst du zur SPD?

TV: Von meiner Familie her war ich das nicht – da waren alle Strömungen vertreten von stramm konservativ bis kommunistisch. Der SPD trat ich 1993 bei. Damals lebte ich in Bayern, wo die SPD in der Opposition saß. Die CSU durchlebte damals eine Serie von Skandalen, zum Beispiel die Amigo-Affäre. Die bayrische SPD hatte damals eine Vorsitzende, die mich sehr beeindruckt hat. Das war Renate Schmidt, die später unter Gerhard Schröder zur Bundesministerin berufen wurde. Sie hat immer klar gesprochen, kantig, nie polemisch. Die CSU-Dominanz fand ich unerträglich und verfilzt. Wenn immer dieselben am Hebel sitzen, dann wird dem Filz doch Tür und Tor geöffnet. Wie kann es sein, dass ein und dieselbe Partei permanent die Regierung stellt? Um einen Wechsel zu unterstützen, trat ich der SPD bei. Erst in Bayern, später in Baden-Württemberg.

??? Wie bringst du heute so viele Aktivitäten unter einen Hut – Unternehmer, Pfleger im Früh- und Abenddienst, SPD-Vorsitz, Gemeinderat, Kreisrat?

TV: Politik macht mir Freude und gibt mir auch Kraft. Mir geht es um Inhalte. Im Bereich Gesundheit und Pflege kann ich im Landkreis einiges bewegen. Es ist schön, wenn man diese Entwicklung verfolgen kann. Noch etwas: Ich habe Glück mit meinen Kindern, und dies, obwohl ich zum Teil alleinerziehend war. Sie sind jetzt selbständig.

??? Von Haus aus bist du Optimist?

TV: Unbedingt. Für mich gibt es keine Probleme, sondern Herausforderungen. Das ist wichtig fürs Unternehmertum. Wenn ich stets fragen würde, ob ich es schaffe, dann schaffe ich es nicht. Sport und Freizeit sind für mich wichtig. Ich nehme mir jedes Jahr sechs Wochen Urlaub. Dies ist wichtig, um Kraft zu tanken.

??? Stichwort Urlaub – Du bist häufig in Indien, Deine Mutter kommt aus Indien.

TV: Es dürften weit über 20-Mal gewesen sein, dass ich dort war. Das Land ist vielschichtig. Es verändert sich rasant, nicht zuletzt durch den Klimawandel, der auf den ganzen Subkontinent drückt. Ich habe das Land bereist vom Himalaya bis zum Dschungel. Von den Europäern wird Indien unterschätzt, auch was die Kultur anbelangt. Was dort an Kunst in den Museen lagert, ist gigantisch. 3000 Jahre vor Christus fertigten die alten Inder Bronzefiguren an, die in Europa ihresgleichen suchen.

??? Du unterstützt auch arme Dörfer in Indien?

TV: Das stimmt. Bei unserer Hochzeit 2020 verzichteten wir auf Geschenke. Wir baten unsere Gäste um Geldspenden für einige Urvölker, die im indischen Dschungel leben. Vor zwei Wochen erhielten wir Bilder aus dem Dorf, auf denen man sah, was alles gebaut wurde von den Spenden. Zwei Klassenzimmer, ein Speisesaal, ein Praxisraum, ein Kinderspielplatz. Die Menschen dort brauchen die Unterstützung. ??? Gibt es etwas, was du im Nachhinein anders machen würdest?

TV: In punkto ambulanter Dienst und Lebensgestaltung würde ich es exakt wieder so machen. Was mir ganz wichtig erscheint, ist das Vertrauen, das ich meinen Mitarbeitern entgegenbringe. Dieses Vertrauen kommt zurück. Die finanzielle Basis der Firma würde ich heute anders aufstellen. Es gab damals keine Beratung für ein Start-up. Ich habe schlimme Jahre hinter mir. Erst seit 2007/2008 kam ich aus dem Tief heraus. ??? In der Pflege arbeiten vor allem Frauen. TV: Für mich sind Frauen und Männer im Grundsatz gleich. In der Pflege stecken Männer und Frauen, aber Frauen sind in der Qualität besser. Oft müssen sie den Männern hinterher arbeiten. Wer pflegt, darf sich für nichts zu gut sein. Du verrichtest deine Arbeit oft alleine und keiner klopft dir auf die Schulter. Mit dieser Situation können Frauen offenbar besser umgehen. Frauen reden auch nicht mehr. Vor ihnen habe ich größten Respekt – nicht nur in der Politik.

Fragen: Uli Fricker


Dembo Sanyang, Auszubildender im Beruf Altenpflegehelfer

"Ich liebe diese Arbeit, es ist mein Wunschberuf"

??? Dembo, wie fängst du deinen Tag an?

Dembo Sanyang (DB) Ich schaue, dass ich jeden Tag früh aufstehe. Dann habe ich Zeit für Gymnastik, die für mich wichtig ist. Und ich laufe sehr gerne und sehr viel. Erst dann kommt das Frühstück. Das ist gut für meine Gesundheit. Denn nur wenn ich laufe, komme ich ins Gleichgewicht.

??? Wie kamst du nach Deutschland?

DS Seit drei Jahren lebe ich hier. Ursprünglich komme ich aus Gambia. Mein Vater starb schon früh. Am Anfang durchlief ich den Integrationskurs, da wurde mir klar: Es wird nicht einfach in Deutschland. Aller Anfang ist schwer – das ist doch ein deutsches Sprichwort, oder?

??? Was war so schwierig für dich?

DS Vor allem die deutsche Sprache. Sie ist schon sehr kompliziert, muss ich sagen. Anfangs traute ich mich überhaupt nicht, etwas zu fragen. Allmählich wird es besser. Mein Wortschatz wächst und ich frage jetzt einfach nach, wenn ich etwas nicht verstehe. Die Angst wird weniger, meine Sprache wird besser.

??? Welchen rechtlichen Status hast du?

DS Ich habe den Rechtstitel „Duldung“. Damit kann ich bleiben und darf vor allem die Ausbildung in der Aktiven Lebensgestaltung durchlaufen. Das ist für mich wichtig.

??? Wie kamst du zu Tobias Volz?

DS In der Schule wurde darauf Wert gelegt, dass jeder Schüler in eine Firma vermittelt wird. Der Lehrer fragte jeden, in welche Richtung er gehen will. Ich sagte, dass ich alten Leuten helfen will. In der Schule war die Firma von Tobias Volz bekannt, sie haben gleich in Allensbach angerufen und den Ausbildungsplatz vermittelt.  Seitdem mache ich die Ausbildung zum Altenpflegehelfer. Mehr geht im Moment nicht, weil mein Deutsch noch nicht gut genug ist.

??? Wie läuft es in der Lehre?

DS Ich denke, es hat gut angefangen. Und ich bin froh, dass ich diesen Platz habe. Im Herbst fing ich damit an, nachdem ich zuvor im Tagestreff mitgeholfen habe.  

??? Wie stellst du dir deine Zukunft vor?

DS Wenn ich die Lehre bestehe, habe ich gute Aussichten. Wer keine Ausbildung hat, rutscht ab. Er macht dann schlimme Dinge. Deshalb bin ich dankbar, dass ich hier an meiner Zukunft arbeiten kann. Die Pandemie war ein Rückschlag. Viele Kontakte entfielen, deshalb konnte ich mein Deutsch nicht verbessern. Tobias Volz hat mir Babbel vermittelt, auch das ist eine Hilfe. Insgesamt bin ich zuversichtlich, da ich ja noch jung bin.

??? Was sagt deine Mutter zu deinem Weg?

DS Der Kontakt ist schwierig. Sie konnte nie eine Schule besuchen. Deshalb entfallen Kontakte über Whatsapp, da sie nicht schreiben kann. Gelegentlich telefonieren wir, das geht dann.

??? Diesen Beruf hast du dir ganz gezielt ausgesucht?

DS Ja, ich liebe diese Arbeit, es ist mein Wunschberuf. Das ist meine erste Anstellung in Deutschland. Da ich in Allensbach wohne, habe ich auch nicht weit zur Arbeit.

Theresa Rietzler, Mitarbeiterin im Tagestreff

„Mir wurde klar, dass ich mit Menschen arbeiten will.“

??? Teresa, du bist eine der jüngsten Mitarbeiterinnen in der Aktiven Lebensgestaltung. Wie gefällt es dir?

Teresa Rietzler (TR) Es macht mir ausgesprochen Spaß. Dieser Job passt zu mir. Im Tagestreff sind wir viel mit den Leuten zusammen. Wir sprechen miteinander und hören ihre Lebensgeschichten. Jede Geschichte ist anders. Das heißt auch: Wir sind nahe dran an den Menschen.

??? Empfindest du den Altersunterschied nicht als sehr groß? Zwischen dir und manchem Klienten liegen locker mal 60 oder 70 Jahre?

TR Für mich spielt das keine Rolle. Sie wuchsen in einer anderen Zeit auf als ich, aber gerade das macht es interessant.

??? Wie sieht deine Zukunft aus? Hast du dir darüber schon einmal Gedanken gemacht?

TR Meine Arbeit mit Senioren wird vorübergehend sein. Ich arbeite gerne mit Kindern zusammen, und in diese Richtung werde ich später einmal beruflich gehen. Ich will Erzieherin werden und werde im Herbst eine Ausbildung an einem Kinderhaus beginnen. Wer es mit alten Menschen kann, erreicht auch bei jungen Menschen etwas. Das ist meine Überzeugung.

??? Wo wirst du ausgebildet?

TR Ich werde im Kinderhaus am Salzberg in Konstanz beginnen. Zur Schule werde ich dann ins Marianum in Hegne gehen.

??? Du bist auch politisch aktiv.

TR Ja, ich wurde als Beisitzerin in den Vorstand der Konstanzer SPD gewählt. Seit einigen Wochen sitze ich zusätzlich im Vorstand der Kreis-SPD.  

??? Könntest du dir Politik auch als Beruf vorstellen?

TR Im Moment nicht. Bei der letzten Kommunalwahl war ich als Kandidatin aufgestellt, wurde aber nicht gewählt. Meine Mutter hat mich damals überzeugt, auf die SPD-Liste zu gehen. Bei der nächsten Kommunalwahl lasse ich mich eventuell wieder aufstellen. Über weitere Schritte denke ich im Moment nicht nach.

??? Warum gerade die SPD?

TR Viele Themen dort sprechen mich an. Zum Beispiel der Schwerpunkt auf dem Sozialen. Bei den Grünen sehe ich, dass sie viel reden und dann wenig tun. Das stört mich. Den Einsatz für die Umwelt halte ich für wichtig.

??? Deine Schulzeit liegt noch nicht lange zurück.

TR Ich habe die Fachhochschulreife gemacht und dann ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) in Konstanz absolviert. Nebenher fing ich im Lokal „Seekuh“ in Konstanz an. Dort arbeite ich seitdem in der Küche. Und ich verkaufte Brot in zwei Bäckereien.

??? Dann arbeitest du ziemlich viel?

TR Ich arbeite gerne, das ist es. Irgendwie versuche ich, die Freizeit auch noch reinzupacken. Mit zwei Jobs ist es anstrengend. Es gibt aber Wochen, in denen ich froh bin, ausgelastet zu sein. Wenn das Wetter schlecht ist und meine Freunde keine Zeit haben, bin ich trotzdem beschäftigt.

??? Das Freiwillige Soziale Jahr (FSJ) gilt in deiner Generation nicht gerade als Renner. Du opferst deine Zeit. Was hat es gebracht?

TR Sehr viel! Im FSJ habe ich meinen Weg gefunden und damit auch Orientierung. Mir wurde klar, dass ich mich körperlich betätigen und etwas mit Menschen tun muss. Das habe ich damals erkannt. Der Verdienst war nicht üppig, ich erhielt 350 Euro im Monat. Ich arbeitete mit Kindern zusammen, die sonderpädagogischen Förderbedarf hatten. Das war eine gute und wichtige Erfahrung für mich, die mir gezeigt hat, wohin die Reise geht.


Mailin Abel - Gesundheits- und Krankenpflegerin

„Als Altenpflegerin habe ich intensiv mit einem Menschen zu tun.“

??? Seit wann arbeitest du für die Aktive Lebensgestaltung?

Mailin Abel (MA) Seit September 2020 bin ich dabei. Ich wurde ausgebildet als Altenpflegerin sowie als Gesundheits- und Krankenpflegerin. Beide Ausbildungen habe ich in dreieinhalb Jahren gemacht.

??? Wo hast du gelernt?

MA Das war in Überlingen auf Schloss Rauenstein, dort sitzt die Justus-von-Liebig-Schule. Mein Lehrkrankenhaus war die Helios-Klinik in Überlingen.

??? Irgendwann reifte der Entschluss zum Wechsel in die Altenpflege. Wie kam das? MA Die Atmosphäre am Krankenhaus hat mir nicht mehr behagt. Ich denke, dass mir die Altenpflege mehr liegt als die Arbeit im Krankenhaus. Deswegen war für mich klar, dass ich in diese Richtung gehen werde. Nach der Ausbildung wechselte ich zu einem ambulanten Pflegedienst in Überlingen.

??? Was hat dich am Krankenhaus gestört?

MA Vor allem die Kollegen waren es. Sie verhielten sich teils unfreundlich, teils nahmen sie sich keine Zeit, um mir etwas zu zeigen. Die Ausbildung war nicht eben prickelnd.

??? Welche Rolle spielt das Thema Mobbing an Krankenhäusern?

MA Damit wurde ich nie konfrontiert. Was mich am meisten genervt hat, war der Zeitmangel der Kollegen. Sie hatten keine Zeit oder sie nahmen sich keine Zeit, den Azubis etwas beizubringen. Gerade aus diesem Grund durchläuft man doch eine Ausbildung, oder? Stattdessen schickten sie einen weg, zum Beispiel um ein Bett frisch zu beziehen. Eine Lehre, wie ich mir das vorstelle, sieht anders aus. Wie ich das in der Praxis erlebt habe, wurden die Azubis nicht wirklich ernstgenommen.

??? Kranken- und Altenpflege sind das zwei Paar Stiefel?

MA Natürlich, als Altenpflegerin habe ich deutlich länger mit einem Menschen zu tun. Das ist intensiver. Dabei baue ich eine größere Bindung auf: Ich lerne ihn kennen, oft erzählen er oder sie aus dem Leben. Im Krankenhaus kommt der Patient und er geht bald wieder. Es sollte immer schnell gehen, das Bett muss wieder frei werden. Das ist ein großer Unterschied.

??? Hast du schon Beziehungen zu Kunden aufgebaut?

MA Ja, das habe ich. Die Touren wiederholen sich, in viele Häuser komme ich regelmäßig. Gleichzeitig ist eine gewisse Distanz wichtig. Man muss sich ein Stückweit abgrenzen.

??? Wie machst du das?

MA Ich schaffe das, indem ich übergroße Nähe vermeide. Ich darf eine Krankengeschichte nicht zu nahe heranlassen. Das gelingt fast immer, aber eben nicht immer. Es gibt schon auch Todesfälle, die gehen mir besonders nahe.

??? Wie schaffst du den Ausgleich?

MA Ich höre gerne Musik, ich koche, fahre Rad und treffe Freunde. Ich wohne in Litzelstetten, das ist ein sehr guter Ausgangspunkt für Unternehmungen.


Danuta Ganz, Mitarbeiterin im Besuchsdienst

„Das ist eine gute Firma mit guten Ideen“

??? Seit wann arbeitest du für die Aktive Lebensgestaltung?

Danuta Ganz (DG): Seit fünf Jahren bin ich in dieser Firma.

??? Darf ich fragen, woher du stammst?

DG Ich komme aus Polen und lebe seit 2000 in Deutschland. Ich lernte meinen deutschen Mann in Polen kennen, dort arbeitete er damals auf Montage. Ich ging mit ihm nach Deutschland.

??? Also eine deutsch-polnische Liebesgeschichte?

DG Ja, das kann man so sagen!

??? Aus welcher beruflichen Sparte kommst du?

DG Ich habe Gärtnerin gelernt und auch in diesem Beruf gearbeitet. Aus verschiedenen Gründen habe ich diesen Beruf dann bereits in Polen aufgegeben. Die großen Kombinate, die der Staat unterhielt, wurden geschlossen und alles wurde privatisiert. Das betraf auch die Gärtnereien.

??? Wie war dein Start dann in Deutschland mit einer speziellen und auch harten Arbeitswelt?

DG Es war nicht schwer. Ich musste und wollte mich meiner neuen Familie anpassen. Mein Mann geht auf Montage und ist viel weg - das ist der Rahmen. Meine deutsche Familie ist sehr hilfsbereit, aber auch dort arbeiten die meisten. Meine Arbeit sollte so sein, dass sie zur Familie passt - zum Abholen der Kinder zum Beispiel. Wir wohnen in Konstanz. Viele Jahre war ich zuhause, bis mein Kind zehn Jahre alt war. Dann habe ich an der Mensa der Hochschule gearbeitet; in den Semesterferien hatte auch ich frei, das war ein Vorteil. Ich habe nie auf mich geschaut, sondern dass meine Tätigkeit zur Familie passt. Ich bin nie Karrierefrau gewesen.

??? Du bist im Besuchsdienst. Wie gefällt dir diese Aufgabe?

DG Sie gefällt mir sehr gut. Natürlich gibt es Situationen, in die man hineingerät und die nicht wünschenswert sind. Dann läuft man in eine Lage hinein, die für den Kunden und für mich unangenehm sind. Aber so ist das manches Mal im Leben.

??? Du arbeitest in Vollzeit?

DG Nein, ich habe hier 75 Prozent. Was mir noch wichtig ist: Aktive Lebensgestaltung ist eine gute Firma mit guten Ideen. Wir helfen, dass Menschen zuhause bleiben können und ihr liebgewonnenes Leben weiterhin führen dürfen. Gut ausgedacht ist auch der Tagestreff. Den Kunden dort geht es gut, sie lachen viel und singen gerne. Bei Musik blühen sie auf. Was mir auffällt: Sie sind im Tagestreff anders als zuhause, also fröhlicher. Die Frauen richten sich, bevor sie kommen. Alle werden respektiert und auf Augenhöhe angesprochen. Sie sind wichtig und werden ernstgenommen.


Sigrid Struwe - Leiterin Besuchsdienst

"Ich habe den Wechsel nie bereut."

??? Sigrid, du leitest den Besuchsdienst. Das hört sich nach sehr viel Arbeit an.

Sigrid Struwe (SiS) Wir haben eine große Aufgabe. Im Vordergrund stehen die Klienten, deren Wünsche und neue Bedürfnisse, die dazu kommen können. Dann die Planung der Touren, die stimmen muss. Für die meisten Klienten ist das Gespräch wichtig. Andere bestellen bei uns Unterstützung im Haushalt oder im Einkauf, dazu kommt das Reinigen der Räume. Auch Arztfahrten sind ein Thema.

??? Wie viele Klienten stecken in deiner Kartei?

SiS 75 Kunden sind es im Kreis Konstanz. Manche wohnen in der Stadt, viele direkt in Allensbach, Kaltbrunn, Dettingen und auf der Reichenau. Einige wenige wohnen in Singen oder Radolfzell.

??? Dein Dialekt hört sich sehr badisch an

SiS Ich stamme aus der Ortenau. Vor zwei Jahren entschied ich mich für den sozialen Bereich. Zuvor arbeitete ich im kaufmännischen Bereich. Als ich hierher kam, fing ich in einer stationären Pflegeeinrichtung an. Ich merkte schnell, dass es mich sehr berührt, auch wie die Menschen leiden und kaum mehr Motivation aufbringen. Das war nicht das Richtige für mich, es ging mir zu nahe. Ich ärgerte mich, wie unwürdig es zuging. Stell dir vor, du packst deine gesamten Lebenserinnerungen in einen kleinen Koffer, den du dann mitnehmen darfst ins Heim. Mehr nicht. Dort bekommst du ein kleines Zimmer, in dem du den ganzen Tag sitzt.

??? Hier in der Aktiven Lebensgestaltung findet das Gegenteil satt. Die Klienten wohnen in ihrer gewohnten Umgebung. Sie werden bei uns täglich neu herausgefordert.

SiS Diese Form der Betreuung halte ich für sinnvoll. Da überlege ich dann schon, wie man selbst einmal alt werden will und wie nicht. Das Thema ist dauerpräsent. Insgesamt wird viel darüber geschwiegen, weil man das gerne wegschiebt.

??? In welcher Branche genau warst du früher?

SiS Ich war für große Firmen tätig. Bei DHL war ich in der Schichtleitung, später bei einem Unternehmen, das Tunnels baute.

??? War der Wechsel dann nicht schwierig? Erst Tunnels und Pakete - dann Menschen?

SiS Der Wechsel war abrupt, doch habe ich mir das Ganze ja gut überlegt. Er war gedanklich langfristig vorbereitet. Deshalb habe ich den Wechsel nie bereut, definitiv nicht.

??? Was gefällt dir?

SiS Wir pflegen einen sehr offenen Umgang mit den Klienten und sprechen viele Themen an. Wir gehen auf ihre Belange ein und zwingen nichts auf. Ich hatte bereits einige Kontakte zu ihnen und merke, dass ich angekommen bin. Neulich sagte mir eine Klientin: „Ich freue ich immer wenn Ihr vom Tobias Volz kommt, Ihr seid alle nett.“


Tom Hauber, Besuchsdienst und Tagestreff

Er sagt: „Ich will aktiv sein und mit Menschen umgehen.“

??? Tom, mit deinen 18 Jahren bist du der jüngste in der Mannschaft von Tobias Volz. Wie kommst du hierher?

Tom Hauber (TH) Im September dieses Jahres will ich eine Ausbildung als Erzieher anfangen und die Zeit bis dahin überbrücken. Ich war auf Jobsuche und stieß auf die Aktive Lebensgestaltung im Allensbacher Gewerbegebiet.

??? Macht dir die Arbeit hier Freude?

TH Auf jeden Fall. Ohne Spaß an der Arbeit geht es nicht.

??? Du hast ziemlich vielfältige Aufgaben hier. Wer sich im Haus oder auf dem Parkplatz umsieht, der trifft dich fast automatisch…

TH Das stimmt. Ich hole die Leute morgens ab und bringe sie abends wieder nachhause. Im Tagestreff betreue ich die Menschen, bringe Essen, helfe in der Küche mit und kümmere mich um den Computer mit der riesigen Leinwand. Und ich arbeite immer wieder im Besuchsdienst mit, je nach Bedarf. Langweilig wird es mir nicht.

??? Wie konntest du dich so schnell einarbeiten?

TH Ich hatte am Anfang meine Zweifel, ob ich das schaffe. Dann sah ich, dass es gut geht. Ich denke auch, dass ich den Job gut mache.

??? Warum willst du später in einen Kindergarten?

TH Das kam so: Nach der Schule absolvierte ich ein Freiwilliges Soziales Jahr an einer Grundschule. Da merkte ich, dass mir Sozialberufe liegen, dass mir der Umgang mit Kindern leichtfällt. Da liegt eine Ausbildung zum Erzieher nahe.

??? Du willst nicht den ganzen Tag hinter oder vor einem Bildschirm sitzen?

TH Genau, ich will aktiv sein und mit Menschen umgehen. Irgendwo alleine wursteln ist nicht meine Welt. Und ich will mich bewegen.

??? Was machst du in deiner Freizeit?

TH Ich schaue gerne Sport und mache auch gerne Sport. Mithilfe eines Computerprogramms mache ich Musik. Auch Computerspiele reizen mich. Ich sehe zu, dass ich nicht zu viel am Bildschirm sitze. Dabei habe ich mir eine persönliche Regel aufgestellt: Wenn ich mit jemanden etwas unternehmen kann, dann mache ich das und ziehe es jederzeit einer Sitzung am PC vor. Der persönliche Kontakt sollte immer Vorrang haben. Da ist mir wichtig.


Isabell Vereide - Auszubildende zur Pflegefachfrau

Isabell Vereide, 22, wird zur Pflegefachkraft ausgebildet

Sie sagt: „In diesen Beruf habe ich mich verliebt.“

??? Isabell, du bist in die Pflege gewechselt. Welche schulischen Voraussetzungen muss man da mitbringen?

Isabell Vereide (IV): Ich habe das Abitur gemacht über eine Fernschule. Das lief alles online. Daneben arbeitete ich in Vollzeit.

??? Das klingt anspruchsvoll. Wo hast du gearbeitet?

IV Ich war in der Hotellerie. Erst im Hotel Tresor in Singen, dann im K 99 in Radolfzell; beide gehören zur selben Kette.

??? Warum wechselt eine junge Hotelfachfrau das Fach und wandert in die Pflege?

IV Das war wegen Corona. Wegen der Pandemie mussten auch wir schließen. Das zerschoss meinen ursprünglichen Plan, Hotelmanagement zu studieren. Als die Hotels geschlossen waren, wollte ich die Zeit überbrücken und Geld verdienen. So kam ich zu Tobias Volz. Meine Mutter arbeitet auch hier. Ich half im Tagestreff und im Besuchsdienst und habe mich allmählich in diesen Beruf verliebt.

??? Das ist ein krasser Wechsel – von der Hotellobby in die Altenarbeit?

IV Am Anfang hatte ich viele Vorurteile. Für mich war scheinbar klar, dass ich niemals in der Pflege arbeiten würde. Durch den Einstieg im Tagestreff wurden diese Vorurteile stückweise widerlegt. Wer einmal in den Beruf reinschaut und sich darauf einlässt, der entdeckt auch neue Seiten an sich selbst. Man tut, was man vorher nicht für möglich hielt. Dann fallen die Vorurteile ab. 

??? Was ist die wichtigste Voraussetzung für deine Arbeit?

IV Also, man muss offen sein. Offen für die nächste Situation, mit der man nicht gerechnet hat. Offen gegenüber anderen Menschen.

??? Was ist deine wichtigste Erfahrung bisher?

IV Der Mensch steht im Vordergrund. Es geht in erster Linie nicht um das Kranksein, sondern um den Umgang mit den Menschen.

??? Deine Mutter arbeitet auch hier. Hat sie dich damals überredet?

IV Im Gegenteil. Früher dachte ich, dass ich niemals in der Pflege arbeiten werde. Seitdem ich das selbst mache, sieht es ganz anders aus. Inzwischen unterhalte ich mich mit meiner Mutter auch über Fachliches und vor allem über zugespitzte emotionale Situationen.

??? Wie gehst du mit solchen Ereignissen dann um? Ein Kunde, der heute noch lebt, kann schon morgen tot sein?

IV Davor hatte ich am meisten Angst. Aber man muss sich den Tatsachen stellen. Das gelingt mir immer besser. Es ist ein Lernprozess.

??? Im Oktober gehst du ins Ausland. Wohin geht die Reise?

IV Ich bin in Norwegen aufgewachsen und lebte dort bis zum 10. Lebensjahr. Das Land kenne ich also recht gut. Deshalb bietet sich Norwegen auch für einen Auslandsaufenthalt an. Mir war klar, dass ich einen Teil der Ausbildung im Ausland verbringen will. Herr Volz hat viel Verständnis für meinen Wunsch. Wir haben gemeinsam ein Projekt entwickelt.

??? Worum geht es dabei?

IV Ich werde mir die Pflege in Norwegen genau anschauen und diese mit dem deutschen Modell vergleichen. Dort ist die Pflege ganz anders aufgebaut.

??? Wo liegen die Unterschiede?

IV Ein Teil der Steuern der Norweger fließt in die Pflege. Aus dem Steuertopf wird die Pflege dann voll finanziert, sie genießt also hohe Priorität.

??? Und deine Freizeit?

IV Ich bin musikalisch, spiele Gitarre und Klavier. Im Tagestreff habe ich aber noch nie vorgespielt. Ich fahre Ski und habe einen Hund – mein ein und alles.


Toni Alfarano - Tagestreff, Fahrer und Hausmeister

Vito Tonio Alfarano, 63, Mitarbeiter im Tagestreff

Er sagt: „Es macht mir sehr viel Spaß, hier zu arbeiten.“

??? Toni, seit wann arbeitest du hier?

Tonio Alfarano (TA) Seit fast zwei Jahren.

??? Demnach hast du beruflich schon einiges hinter dir. Aus welcher Branche kommst du?

TA Ich bin gelernter Autolackierer, diesen Beruf habe ich über 20 Jahre lang ausgeübt. Dann war ich als Taxifahrer unterwegs bei einem Allensbacher Unternehmen. Dort wurde ich gekündigt, nachdem ich mit großen Kreuzschmerzen krankgeschrieben war. Über meine Frau kam ich hierher, sie arbeitet schon länger bei Tobias Volz. Am Anfang war ich mir nicht sicher, ob das passt. Doch mittlerweile macht es mir sehr viel Spaß, hier zu arbeiten.

??? Stimmt das: Du bist hier das „Mädchen für alles“ im technischen Bereich?

TA Ja, das trifft zu. Ich bin für die Autos zuständig und übernehme die Fahrdienste, um die Klienten zu holen. Immer wieder gebe ich im Tagestreff auch Tanzunterricht. Ich arbeite auch im Garten, hänge die Weihnachtsdekoration auf oder ich streiche eine Wand, wenn das nötig ist. Die meiste Zeit verbringe ich hinter dem Steuer des VW Bus, um unsere Kunden zuhause abzuholen.

??? Stichwort Tanzkurs - welcher Tanzstil liegt dir am meisten?

TA Ich unterrichte hauptsächlich Fox und Boogie Woogie. Früher veranstaltete ich auch Rock ‚n‘ Roll-Nächte in Allensbach. Das kam sehr gut an.

??? Viele Allensbacher kennen dich noch als Wirt.

TA Ja, ich hatte die „Fifties“-Bar gegenüber der Bäckerei Ratzeck. Das war eine aufregende Zeit, aber die Bar lief nicht so, wie ich mir das vorstellte. Deshalb verkaufte ich sie.

??? Deinem Namen nach stammst du aus Italien.

TA Meine Familie kommt aus Apulien - der Region im Süden des Landes. Als ich fünf Jahre alt war, wanderten meine Eltern nach Deutschland aus. Zuerst wohnten sie in der Schweiz, später zogen sie nach Süddeutschland. Wenn wir Italien heute besuchen, fühle ich mich als Ausländer und werde auch als Ausländer angesehen. Dann heißt es „Da kommt doch der reiche Deutsche“. Dann lasse ich manchmal einen Spruch los, etwa so: „Kommt nach Deutschland, dann seht Ihr was arbeiten heißt…“ Die Situation dort ist nach wie vor schwierig.

??? Mit der Arbeit mit Senioren kamen auf dich neue Tätigkeiten zu. Zum Beispiel bestimmte Handgriffe, mit denen Menschen ins Auto geholfen wird und wieder heraus.

TA Das war mir nicht ganz neu. Als Taxifahrer habe ich auch schon Leute ins Krankenhaus gefahren. In der Aktiven Lebensgestaltung kommt noch etwas dazu: Hier habe ich es auch mit dementen Menschen zu tun. Da musste ich erst einmal umdenken.

??? Wenn man dir zusieht, erkennt man, dass du das elegant machst und einen guten Draht zu deinen Fahrgästen hast. Einige attestieren dir einen sportlichen Fahrstil…

TA …. nun, ich versuche pünktlich zu sein. Das ist wichtig für die Kunden, dass ich rechtzeitig an ihrer Haustür klingele. Schnellfahren liegt mir. In meiner Freizeit fahre ich Motorrad und hatte bisher – toi toi toi – nie einen Unfall.

??? Genügt der normale Führerschein für die Fahrt mit dem VW-Bus?

TA Ich besitze einen Beförderungsschein für bis zu 24 Personen. Der Schein kostete damals 300 Euro. Wer ihn haben will, muss seine Reaktion unter Beweis stellen. Auch die Schnelligkeit wird getestet.



Shari-Feh Straub - stellvertretende Pflegedienstleitung und Altenpflegerin

Shari-Feh Straub, 31, stellvertretende Pflegedienstleiterin

Sie sagt: „Meine Berufswahl habe ich nie bereut.“

??? Shari-Feh, das erste was bei dir auffällt, ist dein Name. Der klingt wie aus Tausendundeiner Nacht. Shari-Feh-Straub (SfS) Der Name stammt tatsächlich aus dem Persischen. Und das kam so: Der Sänger Harry Belafonte hatte eine Tochter namens Shari. Und Feh war der Spitzname meiner Mutter. Sie hat beide Namen zusammengewürfelt, so kam es zu Shari-Feh.

??? Woher stammst du?

SfS Ich bin in Langenrain aufgewachsen, Straub ist auch mein Mädchenname. Mein Partner und ich leben mit unseren Kindern im eigenen Haus in Allensbach.

??? Du bist gelernte Altenpflegerin. Wie kamst du in diesen Beruf?

SfS Das war purer Zufall. Tobias Volz und ich kennen uns schon lange. Ich fragte ihn damals, ob er nicht zufällig einen Azubi sucht. Erst zögerte er, dann stellte er mich ein und ich durchlief die Ausbildung dort.

??? Hast du das jemals bereut?

SfS Neiiiiin, nie. Natürlich gibt es manchmal Tage, an denen man denkt, dass man die Organisation des Alltags mit Kleinkindern nur mit Mühe schafft. Mein Partner ist selbständig, das ist dann auch anspruchsvoll.

??? Du bist in der Leitung. Was treibt eine stellvertretende Pflegedienstleiterin so den ganzen Tag? SfS Das ist sehr vielfältig. Wir in der Leitung betreuen Klienten und deren Angehörige. Wir erstellen Dienstpläne, was durchaus aufwändig sein kann. Aber gute Planung ist sehr wichtig.

??? Springst du auch mal ein, wenn eine Kollegin krank werden sollte?

SfS Ja, und das ist gut so. Nur wenn man die Erfahrung aus der Praxis hat, kann man gut und praxisnah planen. Diesen Einblick benötigt man. Mir ist wichtig, dass ich beide Seiten kenne.

??? Welche Eigenschaften benötigt jemand, der die Pflege anpeilt?

SfS In erster Linie benötigen er oder sie Empathie. Dann eine gute Selbstorganisation und schließlich das Wissen um die Möglichkeiten, die man hat. Welche Anträge gibt es, was kann man ausschöpfen? Und nicht zuletzt eine gute Mannschaft wie in diesem Betrieb.

??? Zur guten Mannschaft gehören auch funktionierende Urlaubspläne – also Freizeit mit Verlässlichkeit genießen.

SfS Wenn ein Urlaub steht, dann steht er. Das ist uns in der Leitung sehr wichtig.

??? Dieses Thema treibt viele Mitarbeiter um. Aus anderen Unternehmen hört man, dass vereinbarte Urlaube kurzfristig verschoben werden. Wie ist das hier?

SfS Um das zu verhindern, beginnen wir schon früh mit der Planung. Bereits am Ende des Vorjahres fragen wir die einzelnen Urlaubswünsche ab. Danach planen wir rechtzeitig die Urlaubsanträge, damit es nicht zu Überlappungen kommt. Dabei ist es stets wichtig, ein Notfenster einzuplanen.

??? Die Pflege wird als Beruf häufig unterschätzt.

SfS Das ist so. Pflege bedeutet zunächst einmal Körperpflege, welche mit der psychosozialen Betreuung einhergeht. Dies beinhaltet unter anderem auch die Arztbesuche, das Kochen und der Haushalt unserer Klienten.

??? Pflege genießt gesellschaftlich einen hohen Respekt. Dennoch gibt es zu wenig Nachwuchs. Woran liegt das?

SfS Die Politik hat sämtliche Versprechen ins Leere laufen lassen. Nun werden die Fehler offen gelegt. Es müssen unbedingt Forderungen und Zusagen erfüllt werden, also: Deutlich höhere Entlohnung, vorzeitige Ruhestandsregelung und Steuererleichterungen – das sind drei maßgebliche Punkte, die angegangen werden sollen. Die Pflege benötigt auch mehr Kompetenzen in der medizinischen Versorgung, wie es bei unseren Nachbarländern Standard ist. Dazu kommt, dass das Lohnniveau der Betriebe stark variiert. Hier muss unbedingt eine Tarifbindung eingeführt werden.

??? Was machst du in der Freizeit?

SfS Welche Freizeit (lacht) ...?

???… ich hoffe, dass du nicht Tag und Nacht arbeiten musst.

SfS Mein Beruf und die „Firma Familie“ sind ein Vollzeitpaket. Aber ja, Tagesausflüge, Motorradfahren und der Ausgleich im eigenen Garten gehören auch dazu.


Charlotte Heiligmann, 22, Verwaltung, sagt: „Menschen blühen auf, wenn sie mit anderen zusammen sind.“

??? Charlotte, seit wann arbeitest du für Tobias Volz?

Charlotte Heiligmann (CH) Seit bald vier Jahren arbeite ich hier. Nach dem Abitur fing ich in der Tagesbetreuung an und wechselte dann in den Besuchsdienst.

??? Andere schauen sich nach dem Abitur im Ausland um, sie reisen. Du hast dich in die Sozialbranche gestürzt.

CH Etwa im Alter von 15 Jahren wurde mir klar, dass ich eines Tages Medizin studieren will. In einer Kinderklinik in der Schweiz absolvierte ich ein Praktikum. Ich entschloss mich, nicht sofort zu studieren. Vielmehr wollte ich noch Erfahrungen in der Breite sammeln – und stieß auf den Tagestreff in Allensbach, wo ich auch wohne.

??? Was war deine erste Tätigkeit?

CH Ich fing im Fahrdienst an und holte die Teilnehmer von Zuhause ab. Dann arbeitete ich auch als Betreuerin im Tagestreff. Die Aktivitäten dort sind umfangreich, es fängt bei der Gymnastik an, dann singen, spielen, Gedächtnistraining. Später wechselte ich in den Besuchsdienst, der alten Menschen zum Beispiel im Haushalt hilft.

??? Wo gefällt es dir besser?

CH Das kann ich so nicht sagen. Im Tagestreff kann man beobachten, wie Menschen aufblühen, wenn sie mit anderen zusammen sind. Im Besuchsdienst kann ich auf den Einzelnen eingehen.

??? Was machst du aktuell?

CH Ich bin in der Verwaltung tätig und unterstütze Frau Wolf oder Frau Lickert.

??? Du betreust für die Firma auch die Social-Media-Kanäle.

CH Ja, ich bin für Facebook und Instagram zuständig. Das Unternehmen sollte hier auch präsent sein. Es ist grundsätzlich wichtig, dass man hier vertreten ist. Vor allem die Angehörigen können auf diesem Weg auf die Aktive Lebensgestaltung stoßen. Über die Social-Media haben sie von unserem Angebot bereits gehört, wenn es für sie tatsächlich akut wird. Das ist wichtig.

??? Warum bist du vom Besuchsdienst an den Schreibtisch gewechselt?

CH Ich bin von Geburt an krank, kenne die genaue Diagnose aber erst seit Kurzem. Damit war klar, dass ich das Pensum im Besuchsdienst nicht mehr schaffen würde. Ich wollte aber im Unternehmen bleiben und konnte in die Verwaltung wechseln. Außerdem habe ich ein Fernstudium aufgenommen?

??? Welches Fach studierst du?

CH Ich habe mich für Heilpädagogik entschieden, und zwar im Fernstudium. Das ist praktischer für mich, da ich das von Zuhause aus wahrnehmen kann, ohne wichtige ärztliche Termine zu versäumen.

??? Was macht eine examinierte Heilpädagogin?

CH Ziemlich viel. Als Heilpädagogin kann ich mit Menschen arbeiten, die beeinträchtigt sind. Es gibt Musiktherapie, Kunsttherapie, basale Stimulation und vieles mehr. Auch die Betreuung von Dementen spielt eine große Rolle in Studium und Praxis. Der Heilpädagoge kann sich auch mit Schülern beschäftigen, die beeinträchtigt sind im Lernen.

??? Welche Rolle spielt dabei die Kunsttherapie?

CH In dieser Therapie malen oder werken wir mit den Klienten. Es geht um Farbe, Formen, Umgang mit Material. Alles, was den Menschen Spaß macht, ist gut.

??? Was ist dein größter Wunsch für dieses Jahr?

CH Dass ich gesundheitlich stabil bleibe, das wäre mein größter Wunsch. Und dass ich weiterhin zur Arbeit gehen und mein Studium verfolgen kann. Dann wäre 2022 ein gutes Jahr.